
Wir schreiben das Jahr 1284. Eine nette prä-google-mapige
Vogelperspektive erlaubt uns einen Blick auf ein Labyrinth von
Inseln und gleich darauf landen wir in Venedig, der Stadt mit der
offenen Kanalisation. Und wir platzen geradewegs in die
historische Antrittsrede
des frisch gewählten Dogen hinein. Es sieht nicht sonderlich
rosig aus um Venedigs Machtanspruch, denn die pösen Genuesen
blockieren den Venezianern die Handelswege, der Einfluß in
Konstantinopel ist nur als marginal zu bezeichnen. Marco Polo ist
seit 13 Jahren auf Reisen.
Drei angestaubte und in schlichtes
Schmiedeeisen gehüllte Touristen schleppen sich auf den Rücken ihrer
reitbaren Untersätze übers Pflaster des Markus-Platzes. Dig und
Dag kennt man schon, neu ist ihr Prinzipal, der ehrenwerte Ritter
Runkel von Rübenstein. Den ersten Teil der Odyssee von Franken
über die Alpen haben sie bereits hinter sich gebracht. Nun will
der Ritter vom Dogen Hilfe bei der Suche nach dem Rübensteinischen
Familien-Schatz erbitten ...
Mooomemt mal!
Hatten wir das nicht schon?
Nein! – Doch!
– Oooooh… |
Eine äußerst vertrackte Situation war das dunnemals im Juni 1975. Die Digedags waren in
ihrem letzten Heft 223 vermeintlich ersatzlos in einer Fata Morgana abgetaucht.
Ohne einleuchtende Erklärungen. Keiner wußte etwas. Alle stocherten
erfolglos herum.
Es dauerte nicht lang, da machten böse Verschwörungstheorien die
Runde. War
dieser Hannes Hegen "in den Westen abgehauen" oder war er gar
verschieden? Hatte er überhaupt existiert?
Aber ehe man
sich's versah, gab
es wieder ein Mosaik. Alter Wein in neuen Schläuchen. Eine lapidare Mitteilung auf der letzten Seite der soeben in
den Zeitungskiosken drapierten Nummer 224 vom Juli 1975 lautete:
"Liebe
Leser! Auf vielseitigen Wunsch beginnen wir mit dem Nachdruck der
beliebten Runkelserie. Wir wünschen viel Freude. Die Redaktion"
Das
Heft war nicht 100-prozentig deckungsgleich mit der alten Nummer 90,
es gab marginale Änderungen bezüglich Impressum, Titel-Nummernoval
und Druckerei.
Erwartungsgemäß erschienen nach der 224 auch
die Nummern 225 bis 227. Obwohl man die Originale schon besaß, wurden die neuen
Hefte trotzdem eingesackt.
Wohl aus einem irgendwie gearteten Pflichtgefühl heraus. Oder wars
aus Gründen schlichter Pietät? |



Mit dem Heft 228 änderte sich die Lage plötzlich grundlegend.
Und zwar durch die Ankündigung neuer Digedags mit geänderten Namen und anderem Aussehen,
aber immerhin gleicher Stückzahl:
"Liebe Leser! Ab Januar 1976 erscheint, in einem neuen
Gewand, mit neuen lustigen Gestalten und neuen bunten Abenteuern,
ein neues Mosaik".
Gleiches fand man auch auf der Rückseite
von Heft 229, doppelt gemoppelt hält ja bekanntlich besser.
Auch in "Atze", Nummern 10 und 11/1975 wurde getrommelt
und auf die Inkarnation der
Abrafaxe hingewiesen.

Im Schatten des Nachdrucks hatten die weiterhin existenten
Mitglieder des Mosaik-Kollektivs drei alte Nägel mit neuen Köpfen
zurechtgehämmert. |




Damit hatte es sich jetzt endgültig ausgerunkelt, mit der Nummer 229 endete im Dezember 1975
der Nachdruck der "beliebten Runkelserie". Genau 20 Jahre nach dem
Erscheinen der Nummer 1.
Jetzt waren sie halt da, die drei
Abrafaxe.
Allerdings gab es ab 1977 auch Lebenszeichen in
Form der DIA-Filme und weiterer Sammelbände aus der "Amerika-Serie".
Der alte Mosamichel lebte also Gott sei Dank noch. Erst viel
später, bereits nach der Demontage des antifaschistischen
Schutzwalls, wurde allgemein bekannt, daß Hannes Hegen damals seine
Zusammenarbeit mit dem "Verlag Junge Welt" gekündigt und sich ins
Privatleben zurückgezogen hatte. Die Rechte an den Digedags wußte er
sich weise zu sichern und er versteckte die drei Knollennasen in der Fata Morgana. Bis heute. |