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Die Geschichte der Oberlausitz
Wie jeder von uns, so hat auch die Oberlausitz eine wechselvolle und bewegte Geschichte hinter sich.

Das Markgraftum Oberlausitz wurde im Westen vom Fluss Pulsnitz (Gegend um Radeberg) begrenzt, im Osten trennten es die Flüsse Queis und Bober von Schlesien. Südliche Grenze der Oberlausitz war die Landesgrenze zu Böhmen, im Norden grenzte die Niederlausitz an (etwa in der Höhe von Spremberg).

Eine Besiedelung des Oberlausitzer Gebietes erfolgte bereits während der Jüngeren Altsteinzeit, was durch Fundstücke belegt wird. Im 3. bis 4. Jahrhundert siedelten hier germanische Stämme, die später nach Westen weiter zogen, dafür rückten slawische Stämme (anfangs die Milzener) im 6. Jahrhundert aus dem Osten nach.

Der "Bautzner Frieden" beendete 1031 einen längeren kriegerischen Konflikt zwischen Deutschland und Polen. In dessen Ergebnis wurde das politisch selbständige Markgraftum Oberlausitz dauerhaft zum Bestandteil des Deutschen Reiches.

Der deutsche König vergab das Reichslehen bzw. Markgraftum Oberlausitz über mehrere Jahrhunderte nur zur Verwaltung an verschiedene Markgrafen, Könige und Kaiser. Dadurch konnte der jeweilige Herrscher die Oberlausitz nicht seinem Stammland einverleiben.
1071
1075
1084
1143
1158

1253
1490
1526
1635
Markgraf von Meißen
Böhmischer Herzog Wratislaw
Wiprecht von Groitzsch
Markgraf von Meißen
Böhmischer König, Vertretung durch Landvogt auf Bautzener Ortenburg
Markgraf von Brandenburg
König Wladislaw von Polen u. Böhmen
Habsburger Reich
Sächsischer Kurfürst

Das Markgraftum Oberlausitz hat so auch seine eigene Verfassungsgeschichte, es gab in der Oberlausitz bis ins 19. Jahrhundert hinein keinen eigenen Landesherrn, es wurden keine Steuern verhängt und es gab kein Hofgericht.
Mit wenigen Unterbrechungen gehörte die Oberlausitz von 1158 bis 1635 der böhmischen Krone an.
Von 1526 bis 1635 war die Oberlausitz Teil des Habsburger Weltreichs. Während der Zeit des 30jährigen Krieges wurden im "Prager Frieden" (zwischen dem sächsischen Kurfürsten Johann Georg und Kaiser Ferdinand II. von Böhmen) im Jahr 1635 sowohl Oberlausitz als auch Niederlausitz von Böhmen abgetrennt und an Kursachsen angeschlossen. Das Markgraftum Oberlausitz gehörte in den Jahren von 1635 bis 1815 zu Sachsen, behielt aber seine alt überlieferte ständische Verfassung in vollem Umfang bei.
Mit Anerkennung der Sächsischen Verfassung wurde die Oberlausitz erst 1831 sukzessive in den sächsischen Staat eingegliedert.
 
 
Das alte Ziel von Preußens König Friedrich dem II. , sich Sachsen einzuverleiben, rückte während der Befreiungskriege gegen Napoleon in greifbare Nähe. Friedrich August dem I. gelang es nicht, sich vom Bündnis mit Frankreich zu lösen, da die französische Armee schon in Sachsen stand und Sachsen somit als Feindesland gegolten hätte. Nach der Völkerschlacht bei Leipzig (1813) waren Preußen, Russen und Österreicher siegreich und Friedrich Wilhelm der III. hätte mit Übernahme der sächsischen Ländereien eine direkte Grenze zu seinem alten Gegner Österreich gehabt. Auf dem Wiener Kongress im Jahr 1815 wurde dies von den europäischen Mächten zwar verhindert, aber trotzdem musste Sachsen etwa 58 Prozent seines Territoriums an Preußen abtreten. Betroffen waren auch die Niederlausitz und der größte Teil der Oberlausitz (fast 2 Drittel).
Der nun preußische Teil der Oberlausitz wurde der Provinz Schlesien (1742 vom "Alten Fritz" der Kaiserin Maria-Theresia abgenommen) angegliedert. Da die Grenze unter militärischen Aspekten gezogen worden war, gingen auch viele über hunderte von Jahren historisch gewachsene Verbindungen in die Brüche. Trotz allem fühlten sich die meisten Bewohner des schlesischen Gebietes weiterhin als Oberlausitzer und bekannten sich offen dazu, indem sie an ihre Ortsnamen "(OL)" anhängten.
Heutzutage ist das scheinbar nicht mehr so.

Den letzten großen Schicksalsschlag musste die Oberlausitz im Jahr 1945 mit dem Zusammenbruch des Deutschen Reiches hinnehmen.
Durch Gebietsannexion bis zur Lausitzer Neiße kam auch fast die gesamte preußische Provinz Schlesien zu Polen und damit ebenso der östliche Teil der Oberlausitz.
Bei gleicher Gelegenheit wurden auch Teile der Amtshauptmannschaft Zittau, die östlich der Neiße lagen, von Polen besetzt.
Hier verlor Sachsen etwa 157 Quadratkilometer seines Territoriums und  ca. 25000 Menschen wurden aus ihrer Heimat vertrieben.
Der vormals preußische, westlich der Neiße gelegene Teil der Oberlausitz wurde nach dem Kriegsende wieder Sachsen angegliedert.
Durch die 1952 in der DDR durchgeführte Verwaltungsreform löste man die Organisation der alten Länder auf und wandelte das Territorium der DDR in Bezirke um.
Damit wurde die Oberlausitz einer neuerlichen Teilung unterworfen. Die Gegend um Hoyerswerda, Senftenberg und Weißwasser wurde dem Bezirk Cottbus zugeordnet. Aber auch dieses konnte die Verbundenheit der Menschen zur Oberlausitz nicht brechen. Im Jahr 1990 stimmte eine große Mehrheit der Kreise Hoyerswerda und Weißwasser für die Zugehörigkeit zum Land Sachsen.
Obwohl auch die Gemeinden des Kreises Senftenberg mehrheitlich für Sachsen votierten, verhinderte der Kreistag mit knapper Mehrheit die Rückkehr zum Land Sachsen.
 
Allerdings ist es ein offensichtlicher Humbug, den heutigen ostsächsischen Raum in die beiden Strukturen Oberlausitz und Niederschlesien zu unterteilen, wie es leider allzu oft und gern praktiziert wird.
Die "Oberlausitz" ist die Bezeichnung für eine alte kultur-geschichtliche Region.
"Schlesien" und somit "Niederschlesien" ist, obwohl auch eine geografische Einordnung, in erster Linie ein staatspolitischer Begriff.
Auch die Gegend um Görlitz und Niesky, die bekanntlich nur von 1815 bis 1945 rein verwaltungstechnisch zur preußischen Provinz Niederschlesien gehörte, ist und bleibt trotzdem Oberlausitz.
Jedenfalls aus der Sicht eines Oberlausitzers. Schließlich sollte man doch das Verbindende in den Vordergrund rücken und das ist die gemeinsame Zugehörigkeit zur Oberlausitz.
Korrekterweise könnte man sagen, das Terrain bestand bis zum Jahr 1945 aus sächsischer und preußischer Oberlausitz. Wobei dieser zweite Teil der Oberlausitz gerade einmal 130 Jahre zu Preußen gehörte.

Aus der landsmannschaftlichen Sicht der sich Schlesien zugehörig fühlenden Menschen ist es natürlich auch verständlich, die Bezeichnung "Schlesien" erhalten zu wollen. Dies sollte allerdings im korrekten Kontext erfolgen.
Karte der Oberlausitz von 1725 (Kupferstich von J. G. Schreiber)
 
Der Sechsstädtebund
 
Die bedeutendsten Städte der Oberlausitz hatten sich im Mittelalter zum so genannten Sechsstädtebund vereinigt, um ihre Interessen besser durchsetzen zu können.

Unter der Herrschaft Karls IV., seit 1346 deutscher König und König von Böhmen (1355 wurde er zum Kaiser gekrönt), entwickelten sich einige Oberlausitzer Städte zu neuen politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Zentren der Region.
Am 21. August des Jahres 1346 schlossen sich die Städte Bautzen, Görlitz, Löbau, Zittau, Kamenz und Lauban zum Sechsstädtebund zusammen.
Dies geschah mit Billigung des böhmischen Königs und diente dem Kampf gegen Rittertum und Straßenräuberei in der Oberlausitz. Der Bund besaß juristische Sondervollmachten und war stellvertretend für den Landesherrn Träger der Staatlichkeit.
Der Landesherr sandte lediglich einen Landvogt als seinen Vertreter in die Oberlausitz, der aber für die Regierungstätigkeit fast marginal war. Das Land wurde von seinen eigenen Ständen regiert und verwaltet. Beispiel für die Macht der Landstände war, dass sie 1496 dem ungarischen König die Landesherrschaft übertrugen und sich von Böhmen abwandten.
Auch 1547 verweigerte man dem böhmischen König Ferdinand I. die Gefolgschaft. Dieser bestrafte den Bund deshalb mit einer hohen Summe Strafgeld, der Aberkennung des Ratswahl-Rechtes und dem Verlust einiger Ratsdörfer ("Pönfall"). Das schwächte die Macht des Bundes gegenüber dem Landadel empfindlich.

Die Oberlausitz war über viele Jahrhunderte ein Zentrum des Handels. Die Straße von Nürnberg über Prag und Zittau nach Norden kreuzte sich mit der Straße von Frankfurt/Main über Bautzen und Breslau nach Rußland (die königliche Straße - die "via regia").
Die Stadt Zittau als eine blühende Handels- und Tuchmacherstadt nahm eine besonders privilegierte Stellung ein, leider hat der Zustand nicht in die Gegenwart überdauert.
Geografischer Mittelpunkt der Oberlausitz war Löbau, hier tagte auch der Städtekonvent.
Der Bund bestand bis zur Teilung der Oberlausitz im Jahre 1815. Danach gab es nur noch einen Vierstädtebund auf dem Gebiet der sächsischen Oberlausitz, Görlitz und Lauban wurden Preußen angegliedert. Konvente wurden nur bis 1868 gehalten, dann kehrte auch hier Ruhe ein.
Sowohl Görlitz als auch Zittau sind heute geteilte Grenzstädte zu Polen.
Die Wappen der Städte des Bundes :
Bautzen  Görlitz Kamenz   Lauban Löbau Zittau

 

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