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Es war wirklich nicht alles schlecht in der DDR,
neben dem berühmten "Bautz'ner Senf"
 beispielsweise auch das Wetter ...

... und da fällt mir noch etwas ein: das
MOSAIK.

 
Dezember 1955

Die Meilensteine der MOSAIK-Geschichte



 
Januar 1976
 
Für den eingeborenen Ossi der ersten und zweiten Stunde war das "Mosaik" DER Comic schlechthin. Obwohl wir es schon immer dunkel geahnt hatten, erfuhren wir am 3. Oktober 1990, dass es sich dabei wirklich um einen so genannten Comic handelte.
In der DDR gab es diesen Begriff in der äußerst reichhaltigen und  abwechslungsreichen Zeitschriftenlandschaft absichtlich nicht, hatte er doch lange Zeit den kultur-politischen Oberindianern als Assoziation für "westlichen Schund und Schmutz" herzuhalten.

Das Mosaik war eben DAS MOSAIK und als solches ein Unikat, obwohl es verschiedene Kosenamen wie "Mosa" oder "Mosi" trug.
Es musste den Kindern und Jugendlichen (zum besseren Verständnis: Kiddies, Teenies, Heranwachsende oder Auszubildende) den fehlenden Blick über Schutzwälle und Friedensgrenzen ersetzen und es half, die Welt aus der Schmökerecke heraus zu erkunden.
Dabei blieb es weitgehend unpolitisch, obwohl die Neos-Serie gewisse sozialistisch-utopistische Züge trägt und auch ein zeitgeschichtliches Abbild des "real existierenden Sozialismus" jener Jahre ist.
Aber gerade diese Epoche wirkt mit ordentlichem Abstand betrachtet recht amüsant, sollte diese doch die Vorstufe zum viel gepriesenen Kommunismus sein. 

Böse, spitze Federn werden dies alles wieder als Ostalgie verorten. Gibt es eigentlich auch Westalgie? Schließlich haben sich sogar schon einige West-VIPs geoutet, dass sie mit Asterix, Pluto oder Tim und Struppi aufgewachsen sind und noch heute Gefallen daran finden.

Bestes Beispiel war der Artikel "Aufwind für gestrige Geister" aus der "Welt" vom 10.07.1995 von einem Kenner der Materie, der die Digedags den zählebigen Relikten der DDR zuordnet. Nicht mal das Sandmännchen wird den Kleinen gegönnt.

 
Das erste Mosaik von Hannes Hegen erschien am 23. Dezember 1955 als Weihnachtsgeschenk.
Es ist unnötig, über Hannes Hegen viele Worte zu verlieren, zumal es schon oft getan wurde.

Nur wenigen Liebhabern wird es gelungen sein, sich einen stetigen Bezug der Hefte zu sichern - auch mir nicht. Dazu wäre es notwendig gewesen, an exponierter Stelle des Buchhandels bzw. des Postzeitungsvertriebes der DDR (PZV) eine einflussreiche Person so nahe wie möglich zu kennen (Verwandtschaft ersten Grades war gerade noch akzeptabel). Allerdings durfte besagte Person keine persönlichen Interessen am eigenen Kontingent haben.
Durch höchsten persönlichen Einsatz gelang es mir noch in der alten Ära, den eingeschwungenen Zustand (relative Zufriedenheit eines Sammlers) zu erreichen.

Im Jahr 1975 gab es aufgrund des Wegganges von Hannes Hegen eine Zäsur im sonst geregelten Ablauf, was die Fans kalt erwischte.
Die aktuelle Geschichte endete abrupt und die Digedags verkrümelten sich ins Nirwana.
Und das zu unser aller Bedauern, aus heutiger Sicht, endgültig.
Auf den berüchtigten vielfachen Wunsch hin sollte die Runkel-Serie eine Neuauflage erfahren. Vermutlich war das im komplizierten Planverfahren kontingentierte und bilanzierte Papier aufzubrauchen.
Dieser Nachdruck wurde nach sechs Monaten schon wieder eingestellt und statt den Digedags erfüllten Lona Rietschels Abrafaxe ab Januar 1976 das oben genannte Papier mit neuem Leben.

Die Abrafaxe haben es bis zum heutigen Tag durchgehalten, mit einer gewissen Hängepartie nach 1990 sowie mit einigen stilistischen Auswüchsen in jüngerer Zeit. Aber sie befinden sich auf einem guten, erfolgreichen Weg. Während die Digedags "nur" etwa 20 Jahre aktiv in der Comic-Politik mitmischten, tun dies die Abrafaxe seit 1976 und sie halten es hoffentlich noch lange durch.

 
Obwohl heute eine große Konkurrenz aus In- und vor allem Ausland präsent ist, bleibt das MOSAIK eine Legende. 
Und das nicht nur für jene, die sich mit dieser Materie Jahrhunderte lang beschäftigt haben. 

Von der Thematik her ist das Mosaik einzigartig, mir ist kein anderer Comic bekannt, der einen derartig hohen Gehalt an historischer Authentizität und Tiefgang besitzt und trotzdem nicht langweilt, wenigstens nicht allzu oft.
Auch künstlerische Qualität und handwerkliche Perfektion lassen bis auf gelegentliche Ausrutscher kaum zu wünschen übrig.
Trotz alledem, mögen es Besserwisser und Ignoranten herunterspielen;
 
Es lebe unser Mosaik !

Nun hat es uns schon seit 1955 begleitet und begeistert; es verdient auch weiterhin unser Interesse und Wohlwollen !
 
Ein Leben ohne Mosaik ist möglich, aber sinnlos.
frei nach Loriot
 
Große Link-Listen kann ich mir ersparen, eine erschöpfende Abhandlung des Themas MOSAIK
an anderer Stelle ist garantiert.
Alles Wissenswerte rund ums MOSAIK finden der Neuling und auch der alte Profi unter folgender Adresse, aber wem sag' ich das.
 
Alle Rechte der MOSAIK-Abbildungen liegen bei Hannes Hegen / TESSLOFF-Verlag (Digedags) und beim MOSAIK Steinchen für Steinchen Verlag (Abrafaxe).

 

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